Die Buffalo Bills gewinnen ein spektakuläres Monday Night Game zum Abschluss von Woche 5 der NFL-Saison bei den Los Angeles Rams 37:34 nach Verlängerung. Die Special Teams brechen den Hausherren dabei das Genick, während beide Offenses überragen.
Bills @ Rams: Auf einen Blick
In einem völlig verrückten Spiel mit nahezu keiner Defense in der zweiten Hälfte waren am Ende die gewohnt schlechten Special Teams der Rams der entscheidende Faktor.
Beide Offensivreihen drehten nach der Pause gewaltig auf und fanden scheinbar keine Gegenwehr mehr. Die Rams vertrauten auf Matthew Stafford und das Passspiel, die Bills verließen sich auf Josh Allen und hauptsächlich das Laufspiel.
Beide Teams sammelten etliche Strafen und schadeten sich damit immer wieder selbst.
Buffalo Bills (3-1) @ Los Angeles Rams (2-2)
Ergebnis: 37:34 OT (6:0, 7:7, 6:7, 15:20, 3:0)
Bills @ Rams: Die Analyse
Dieses Spiel bediente im Grunde alle Klischees, die über diese beiden Mannschaften kursieren. Direkt zum Start legte Ray Davis für die Bills einen 70-Yard-Kickoff-Return hin, der die weiterhin schwachen Special Teams der Rams entblößte. Was folgte, war letztlich aber nur ein 49-Yard-Field-Goal, da Josaiah Stewart einen Sack gegen Josh Allen beim 3rd Down schaffte.
In der Folge marschierten auch die Rams, wurden gestoppt und Kicker Harrison Mevis vergab einen Field-Goal-Versuch aus 50 Yards. Buffalo legte ein Field Goal durch Tyler Bass nach erneut missglücktem Red-Zone-Trip nach, ehe die Rams mit einem Touchdown durch Davante Adams die Partie erstmals drehten - das Play ins Glück war im Übrigen ein Goal-Line-Fade, was nicht der letzte seiner Art werden sollte.
In der Folge zeigte sich dann, dass die Rams auch weiterhin Probleme damit hatten, zu tackeln. Die Gäste, die ohne Wide Receiver DJ Moore antraten, setzten gegen eine sehr leichte Defense - die Rams spielten zumeist im Dime-Package, also mit sechs Defensive Backs - konsequent aufs Laufspiel und durchbrachen diverse Tackle-Versuche der Rams, die am Ende mehr als 25 Prozent ihrer Tackle-Versuche verpassten. Allen fand Ty Johnson für 40 Yards und direkt im Anschluss lief James Cook zu einem 17-Yard-Touchdown zum 13:7 für Buffalo. Dabei blieb es auch bis zur Pause, weil beide Teams innerhalb der Schlussminuten zu viel Zeit verschwendeten und Allen sogar noch eine Interception warf.
In der zweiten Hälfte gingen die Rams durch einen Touchdown von Blake Corum wieder in Führung und kamen vor allem mit kürzeren Pässen gegen in Coverage schwache Linebacker zum Erfolg. Es dauerte dann bis zum Ende des dritten Viertels, bis die Bills erneut zuschlugen. Nach etlichen Strafen auf beiden Seiten fand Allen schließlich Keon Coleman für einen 7-Yard-Touchdown-Pass, bei dem sich gleich zwei Rams-Verteidiger gegenseitig in der Endzone über den Haufen rannten. Im Gegenzug gingen die Hausherren wieder in Führung - Stafford dieses Mal auf Puka Nacua ebenfalls per Goal-Line-Fade.
Offener Schlagabtausch bis zum Ende
Und auch in der Folge ging es wie gewohnt weiter. Die Bills marschierten und überrannten die Rams auf dem Boden, ehe Allen selbst aus einem Yard in die Endzone rannte und sein Team abermals in Front brachte. Stafford und Co. schlugen zurück mit einem von Passspiel geprägten Drive, an dessen Ende wieder Adams stand, dieses Mal zur Abwechslung nicht per Fade, sondern per Post-Route. 27:27 mit sieben Minuten zu spielen.
Fortan übernahm Allen. Er brachte ein paar scharfe Pässe an und besorgte den Rest mit seinen Beinen selbst, weil die Rams ihn stets aus der Pocket ausbrechen ließen und scheinbar nie einen Bewacher für ihn parat hatten. So drehten die Bills an der Uhr, ehe Cook mit einem 5-Yard-Touchdown erneut für eine Gäste-Führung sorgte. 1:39 Minuten zu spielen waren jedoch mehr als genug für die Rams. Scheinbar ohne Gegenwehr peitsche Stafford sein Team übers Feld und fünf Sekunden vor Schluss lief Kyren Williams nochmal in die Endzone - Touchdown, Ausgleich, Overtime.
Die Bills bekamen zuerst den Ball und waren drauf und dran, in Windeseile zum nächsten Touchdown zu marschieren. Allen fand Khalil Shakir und der sauste allen davon. Nicht ganz allen, denn Safety Kamren Kinchens kam gerade noch hinterher und brachte den Receiver doch zu Fall. Direkt im Anschluss erzwang Linebacker Nate Landman einen Fumble gegen Cook - dessen zweiter im Spiel - und Aaron Donald eroberte das Leder an der eigenen 20. Aber auch das war nicht die Vorentscheidung, obwohl die Rams danach kaum zu halten waren. Sie bewegten sich schnell in die gegnerische Hälfte, wurden dann aber konservativ und begnügten sich schließlich mit einem Field-Goal-Versuch aus 48 Yards - Greg Rousseau blockte ihn und gab Buffalo neues Leben.
Im Gegenzug war Allen dann wirklich nicht mehr zu halten. Zwei Minuten vor Schluss kickte Bass schließlich das Field Goal zum Sieg. Allen lief am Ende für 121 Yards (TD), während bei den Hausherren Stafford 383 Passing Yards (3 TD) sammelte, Nacua fing 17 Pässe für 138 Yards (TD) und schrammte nur knapp am Franchise-Rekord für Catches vorbei (18).
Insgesamt erzielten beide Teams in neun Drives nach der Pause sieben Touchdowns. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass beide zahllose Fehler fabrizierten und insgesamt für 24 Strafen sorgten (für 196 Yards insgesamt). Beide spielten mit offenem Visier, offenbarten jedoch auch so einige Schwächen, die ihnen im Laufe des Jahres noch zum Verhängnis werden könnten.
Analyse: Bills @ Rams - das fiel taktisch auf
Die jeweiligen Defensivreihen haben sich personell recht konsequent auf ihre Counterparts in den Offenses eingestellt. Die Rams spielten offensiv überwiegend mit zwei Running Backs oder drei Tight Ends, was die Bills dazu brachte, mit ihrer Base-Defense, also mit mehr Masse dagegen vorzugehen. Die Bills setzten fast immer auf drei Receiver, worauf die Rams mit Dime-Personnel reagiert, also mit sechs Defensive Backs. Das gab ihnen dann mehr Speed.
Beide spielten offensiv meist mit ihren Quarterbacks under Center und setzten entsprechend auch gerne auf Play Action. Die Bills streuten sehr häufig auch Screens ein, was die Hausherren nur sehr selten versuchten.
Beide Seiten verteidigten überwiegend in Zone Coverage. Die Rams attackierten die tiefen Zones vorwiegend mit kurzen Pässen, um Lücken "underneath" gegen verhältnismäßig langsame Linebacker auszunutzen. Die Bills wiederum setzten auf in der Regel tiefere Pässe und insgesamt mehr Läufe als Pässe, was gegen die eher leichten Formationen auch zum Erfolg führte.
